Zum zweiten Mal mit Mut voran

Oliver Wessel Mutlauf
Oliver Wessel vom Verein Kieler Fenster organisiert den Mutlauf federführend.

Nach der Premiere im Jahr 2017 fand am 09. Juni der 2. Kieler Mut-Lauf auf der Moorteichweise statt. Der Lauf soll zur Entstigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen beitragen. Obwohl jeder dritte Deutsche im Laufe seines Lebens Erfahrungen mit einer solchen Erkrankung macht, sind psychische Krankheiten wie beispielsweise Depressionen vielfach noch immer ein Tabuthema.

„Der Lauf schafft ein Miteinander von erkrankten und nicht erkrankten Menschen“, erklärt Organisator Oliver Wessel vom Verein Kieler Fenster. „Keiner sieht hier dem anderen an, dass er vielleicht depressiv ist oder nicht.“
Gleichzeitig schafft die Veranstaltung einen Rahmen, um sich offener über psychische Erkrankungen austauschen und informieren zu können. Auf dem „Markt der Möglichkeiten“ etwa werden Informationen zu Hilfs- und Therapiemöglichkeiten angeboten.

Sendedatum: 09. Juni 2018

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Mit Moos gegen den Dreck

Der Theodor-Heuss-Ring in Kiel ist eine der dreckigsten Straßen Deutschlands. Die Stickoxid- und Feinstaubwerte liegen regelmäßig deutlich über den zulässigen Höchstgrenzen liegen. Auch die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart kennt dieses Problem. Dort setzen Forscher eine Wand aus Moos gegen den Feinstaub ein.

Die Idee, Schadstoffe mit Moos zu binden, arbeitete die Universität Bonn bereits vor Jahren aus – allerdings stets nur in der Theorie und im Labor. Der Stuttgarter Forscher Dr. Martin Nebel setzte sie als erster im Freiland um. Als Pilotprojekt trieb er maßgeblich die Stuttgarter Mooswand voran. Dabei handelt es sich um ein 100 Meter langes und 3 Meter hohes Metallgestell, in das zahlreiche Moospaneele eingelassen sind. Die Wand wurde Anfang 2017 an der Cannstatter Straße in Stuttgart errichtet – der „dreckigsten Straße Deutschlands“.

„Die Senkrechtstellung bringt bereits das erste Problem mit sich“, berichtet Dr. Holger Thüs vom Staatlichen Naturkundemuseum Stuttgart, der die biologische Federführung des Projektes von Martin Nebel übernommen hat, im Kiel FM Interview. „Die Moose werden in gewohnter, waagerechter Position aufgezogen und dann senkrecht aufgestellt. Das ist für die Pflanzen natürlich nicht optimal.“ Doch die Senkrechtstellung war für präzise Messungen erforderlich.
Als ein weiteres Problem stellte sich innerhalb kürzester Zeit die Bewässerung der Mooswand heraus: Zwischenzeitlich starb ein Drittel des Mooses ab und musste ausgetauscht werden. Außerdem befanden sich in den Moospaneelen invasive Moosarten, mit denen die Forscher nicht gerechnet hatten. „Diese Moose waren als ‚Problem-Moose‘ bekannt, sie sind aus der Wand entkommen und haben die Umgebung beeinträchtigt“, berichtet Holger Thüs.

Warum eigentlich Moos? Diese Pflanze ist zunächst sehr tolerant gegen widrigste Umgebungsbedingungen und überlebt auch die „dreckigste Straße Deutschlands“. Zudem verlieren Moose im Winter ihre Blätter nicht und bleiben so durchgehend stoffwechselaktiv, können also das ganze Jahr über Schadstoffe binden. Die Schadstoffe setzen sich auf den Blättern ab und werden von einer bakteriellen Gemeinschaft gebunden, teilweise sogar verstoffwechselt. Blätter anderer Pflanzen stoßen Feinstaub durch eine Schutzschicht ab.

„Natürlich kann die Mooswand nicht den kompletten Feinstaub binden“, betont Holger Thüs gegenüber Kiel FM. „Aber wir wissen, dass die Wand auf jeden Fall einen Teil gebunden hat.“ Im April 2018 wurde sie abgebaut, ein halbes Jahr später als ursprünglich geplant. Derzeit erfolgen Vergleichsmessungen an der Cannstatter Straße, um beurteilen zu können, wie viel Schadstoffe die Wand tatsächlich gebunden hat. Genaue Ergebnisse werden im Sommer erwartet.

Sollte sich die Mooswand tatsächlich als ein effektives Mittel zur Feinstaubreduktion erweisen, dürfte zunächst Arbeit in eine Optimierung investiert werden. Die Senkrecht- könnte beispielsweise durch eine Schrägstellung ersetzt werden, die für das Moos verträglicher ist. Auch auf zahlreiche andere Erfahrungswerte können die Stuttgarter Forscher nun zugreifen.
Am Kieler Theodor-Heuss-Ring würde die Installation einer Mooswand jedoch vermutlich an Platzmangel scheitern: Zwischen Straße und Wohnhäusern befinden sich bisweilen nur wenige Meter. Auch der Mittelstreifen bietet zu wenig Raum für eine Mooswand. Mit gewisser Spannung dürfte man die Ergebnisse zum Mooswand-Projekt allerdings auch in Kiel erwarten.

Sendedatum: 02. Juni 2018

Hoch hinaus beim Hochhauslauf

Hochhauslauf Mettenhof 3
Im Bergenring 30 in Mettenhof starten am 02. Juni zahlreiche Läufer zum traditionellen Hochhauslauf.

Jedes Jahr wird der Kieler Stadtteil Mettenhof für einen Tag das Mekka für viele Laufbegeisterte aus Kiel und Umgebung: In diesem Jahr lockte der Mettenhofer Hochhauslauf bereits zum 13. Mal.

„Es ist im Prinzip ein Berglauf“, erklärt Organisatorin Bärbel Lorenz-Dubiela vom Nachbarschaftszentrum Palette 6. „Das macht ihn auch außerhalb der Nachbarschaft so attraktiv.“ Die Idee des Laufes stammt aus Hamburg und wurde Mitte der Zweitausender in Mettenhof übernommen. Seitdem hat er mit einer Ausnahme jedes Jahr stattgefunden.

Hochhauslauf Mettenhof 2
Bärbel Lorenz-Dubiela vom Nachbarschaftszentrum Palette 6 in Mettenhof organisiert den Hochhauslauf.

Zu überwinden sind bis zum 13. Stockwerk 190 Stufen. Beim Hochhauslauf an der Christian-Albrechts-Universität sind es 14 Stockwerke bei 261 Stufen. Der Grund für den Unterschied: Im Bergenring sind die Etagen etwas niedriger. Lorenz-Dubiela hat durchaus Respekt vor den Läufern: „Die Bestzeiten liegen hier bei um die 43 Sekunden“, erzählt sie, „es besteht also wirklich ein Ehrgeiz, hier gute Zeiten zu laufen.“

Hochhauslauf Mettenhof 1
Mit dieser Aussicht über Mettenhof bis zur Kieler Innenstadt werden die Läufer nach 190 Treppenstufen belohnt.

Die Läufer starten am 02. Juni ab 14.00 Uhr in verschiedenen Altergruppen. Da jeder Starter alleine läuft, sind maximal vierzig Läufer zugelassen. Wer nicht selber laufen will, feuert die Läufer an oder nutzt das umfangreiche Rahmenprogramm im Bergenring: Für Kinder sind eine Hüpfburg sowie weitere Sport- und Spielangebote vor Ort, Erwachsenen wird ein Glücksrad sowie Kaffee, Kuchen und Grillwurst geboten.

Harry und Meghan heiraten – und alle gucken Fußball

Martin Wesson Strongbows Pub
Martin Wesson, Besitzer des Strongbows-Pub in der Schauenburgerstraße, kann mit dem Hype um die royale Hochzeit wenig anfangen.

So richtig im Hochzeitsfieber ist Martin Wesson noch nicht. Der Brite betreibt seit langen Jahren den Strongbows Pub in der Schauenburgerstraße in Kiel und kommt gerade aus England zurück, wo sich die Nation auf die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle vorbereitet. „Die Zeitungen, The Daily Mail, The Sun, sie sind alle voll davon“, berichtet Wesson, „es gibt Kaffebecher, Teller, überall Souvenirs mit Harry und Meghan.“

Ist Prinz Harry noch derselbe Prinz Harry, der als Teenager mit Alkohol-Ekxzessen Schlagzeilen machte, mit 17 Cannabis rauchte und in Boulevard-Blättern der „Party-Prinz“ genannt wurde? Heute ist er 33, erwachsen, hat in der Armee gedient, den Respekt des Volkes wiedererlangt. „Er wird durch diese Vergangenheit normaler, das ist ein richtiger Vorteil für ihn“, meint Martin Wesson. „Solche Dinge hat jeder mal gemacht, man merkt, dass er in der gleichen Welt lebt wie wir alle.“

Umso besser passt zu Harry wohl die zukünftige Prinzgemahlin Meghan Markle: Serien-Schauspielerin, US-Amerikanerin – und dann auch noch geschieden? Das britische Volk akzeptiert sie trotzdem. Das letzte Mal, das ein Mitglied der Royal Family eine Amerikanerin heiratete, ging allerdings nicht gut aus: Als König Edward VIII. 1936 die ebenfalls bereits geschiedene Wallis Simpson heiraten wollte, musste er abdanken und verbrachte den Rest seines Lebens im französischen Exil. „Ich hoffe, wir sind gesellschaftlich ein bisschen weitergekommen seit den Dreißiger Jahren“, kommentiert Martin Wesson trocken.

Am 19. Mai findet die Hochzeit auf Windsor Castle statt, dem Ort, an dem auch Prinz Charles 2005 seine Frau Camilla heiratete. Zu den geladenen Gästen gehören auch zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren. Ein Bekannter Martin Wessons war ebenfalls eingeladen, lehnte aber dankend ab. Der Grund: zu teuer, zu viel Stress. „Er hätte drei verschiedene Outfits gebraucht für Events an drei verschiedenen Tagen. Alles ist genau durchgeplant. Außerdem erwartet seine Tochter ihr Kind, da ist er lieber zuhause geblieben“, berichtet Wesson.

So euphorisch wie bei der Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton im Jahr 2011 ist die Nation noch nicht. Das liegt einerseits daran, dass die Hochzeit weniger üppig, weniger politisch ausfällt: Staatsgäste sind nicht eingeladen. Andererseits fällt das Finale der ersten britischen Fußball-Liga auf den Hochzeitstag am 19. Mai. „Die eine Hälfte der Briten wird sich im Fernsehen die Hochzeit ansehen, die andere Fußball“, meint Wesson. Er selber tendiert ebenfalls in Richtung Fußball.

Sendedatum: 19. Mai 2018

 

Zusammen stark: Special Olympics mit positivem Fazit

Special Olympics beendet
v.l.n.r.: SOD-Landesvorsitzende Ursula Albrecht, SOD-Präsidentin Christiane Krajewski, Athletensprecher und SOD-Vizepräsident Mark Solomeyer, OB Ulf Kämpfer und SOD-Vizepräsidentin Brigitte Lehnert

Mit einer großen Abschlussfeier in der Olympic Town auf der Reventlouwiese sind die Nationalen Special Olympics am Freitagabend, 18. Mai, in Kiel zu Ende gegangen. Fünf Tage lang waren 4600 Athletinnen und Athleten mit geistiger Behinderung in 19 Disziplinen zu Wettkämpfen angetreten. Sowohl die Veranstalter als auch die Stadt Kiel ziehen ein positives Fazit.

Wenn er die Special Olympics in Kiel in einem Wort zusammenfassen solle, sei es nicht Spaß, auch nicht Begeisterung, so Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD). Beides sei dabei, aber treffender seien die Begriffe Freude und Dankbarkeit. „Die ganze Stadt war mit dabei, es war eine unglaublich positive Stimmung“, so Kämpfer.

Tatsächlich waren die ganze Woche über in allen Bereichen Kiels Menschen mit Special-Olympics-T-Shirts unterwegs und nicht zuletzt waren die Spiele in den Medien sehr präsent. Mehr als 2000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer unterschiedlichsten Alters sowie 500 Schiedsrichter sorgten für einen reibungslosen Ablauf der Spiele. „Auch die Logistik hat bis auf sehr wenige Ausnahmen wirklich gut funktioniert“, lobt Christiane Krajewski, Vorsitzende von Special Olympics Deutschland (SOD).

Insgesamt 27000 Besucher kamen zu den Wettkämpfen – mehr als bei den letzten Sommerspielen 2016 in Hannover. Die Begeisterungsfähigkeit der Kieler begründet Krajewski unter anderem damit, dass einige Wettkämpfe in den Abenstunden stattfanden und somit auch Berufstätige zusehen konnten. Zudem sei die Olympic Town auf der Reventlouwiese mit täglichem Rahmenprogramm ein Anziehungspunkt gewesen.
Oberbürgermeister Ulf Kämpfer wies auf das gute Wetter hin, das vielen Wettkämpfen unter freiem Himmel entgegen kam. „Das ist eine glückliche Fügung, denn so gutes Wetter im Mai ist ungewöhnlich für Kiel“, so Kämpfer im Kiel FM Interview.

Nach fünf Tagen voller Begeisterung für den Sport und die Special Olympics als Ereignis geht es nun darum, den inklusiven olympischen Gedanken in den Alltag weiterzutragen. Die SOD-Vorsitzende Krajewski betonte gegenüber Kiel FM, die Special Olympics dürften nicht bloß als ein Sportfest von Menschen gelten, mit denen man normalerweise nichts zu tun hat, sondern müsse „ein normales großes Sportereignis“ werden. Zudem sei es wichtiger, den organisierten Vereinssport stärker für Menschen mit geistiger Behinderung zu öffnen.

Nach fünf Tagen Special Olympics steht die Hoffnung auf eine Fortführung im Jahr 2022: Die ersten Landesspiele in Schleswig-Holstein stehen an und der SOD-Landesverband Schleswig-Holstein wünscht sich, die Spiele in Kiel austragen zu dürfen. Oberbürgermeister Kämpfer sicherte auf der Abschlusspressekonferenz der Special Olympics bereits Unterstützung zu. Zudem bewirbt sich Berlin zusammen mit Kiel um die Austragung der Internationalen Special Olympics im Jahr 2023.

Sendedatum: 19. Mai 2018

 

Vor 45 Jahren: Tornado in Kiel

Jörg Baumgartner niedrige Qualität

Der 5. Mai 1973 war ein freundlicher Frühsommertag in Kiel. Das Zusammentreffen einer Kaltfront mit warmer Luft in geringer Höhe stellte jedoch die Voraussetzung zur Entstehung eines Tornados am späten Nachmittag dar. Der Tornado zog mit hoher Geschwindigkeit auf das Kieler Stadtgebiet zu und hinterließ dort eine Schneise der Verwüstung: Dächer wurden abgedeckt, Autos und Fensterscheiben zerstört. Kräne auf dem HDW-Gelände stürzten um und selbst die Gablenzbrücke schwankte.

Jörg Baumgartner erlebte den Tornado als Achtjähriger auf einem Kindergeburtstag. Er hat mit uns über seine Erinnerungen gesprochen.

Sendedatum: 05. Mai 2018